Strafgefangenenhilfe

Die Arbeit, die die Ehrenamtlichen von kontakt im Bereich der Strafgefangenenhilfe leisten, ist vielfältig. Sie trägt nicht unerheblich dazu bei, daß Häftlinge nach ihrer Haft schneller zu einer vergleichsweisen Normalität gelangen können und erleichtert dadurch Resozialisierung und macht Rückfälle seltener.

Die Betreuungstätigkeit ist anspruchsvoll und fordernd. Allerdings nicht überfordernd. Ein Neuer wird nicht ins kalte Wasser geworfen sondern langsam und behutsam an seine neue Aufgabe herangeführt. Erfahrene Vereinsmitglieder stehen stets mit Rat und Tat zur Seite, auch die JVA unterstützt die Tätigkeit des Vereins auf nahezu jede erdenktliche Art und Weise.

Schwerpunktmäßig umfaßt die Vereinsarbeit bei der Betreuung Strafgefangener:

1.) Gruppengespräche.

Mehrmals wöchentlich finden in der JVA St. Georgen - Bayreuth Gruppengespräche von Vereinsmitgliedern und Strafgefangenen statt. Die Themen sind vielfältig und facettenreich - von der Diskussion aktueller politischer Probleme bis zum persönlichen Problem des Häftlings reicht die Bandbreite.

Der Rahmen dieser Gespräche ist überschaubar. In der Regel vier kontaktler kommen mit ca. 10 Strafgefangenen für etwa 75 Minuten zusammen. Für die teilnehmenden Häftlinge sind die Gruppengespräche von großem Wert - entkommt man durch sie doch der Vollzugsrealität zumindest kurz  und kann einen Hauch von Freiheit erleben.

 

2.) Ausgänge.

Wenn die Entlassung eines Häftlings zeitlich näher rückt, kann er Ausgang beantragen. Dazu braucht er eine Person, die ihn zu seinen Ausgängen von der JVA abholt und bei diesem Ausgang begleitet. In der Regel sind dies Angehörige und Freunde. Steht ein Gefangener allerdings allein oder ist es der Familie nicht möglich, ihn bei seinem Ausgang zu begleiten, springen - wenn möglich - kontaktler ein, um dem Gefangenen den Ausgang dennoch zu ermöglichen.
Denn: ohne Ausgänge kein Hafturlaub; kein Hafturlaub, keine vorzeitige Entlassung und: umso schwerere Resozialisierung des Häftlings.

 

3.) “Eheseminare”

Der Begriff “Eheseminar” täuscht über den wahren Charakter dieser Institution. Während eines Eheseminars haben zehn bis zwölf Ehefrauen die Möglichkeit, ihren Ehemann für ca. 5 1/2 Stunden zu sehen - außerhalb des normalen Besuchsraums im kontakt-Gesprächsraum, nur unter Aufsicht von zwei kontaktlern. Diese Eheseminare finden zweimal monatlich statt, ein Ehepaar kann nur einmal im Monat an dieser Einrichtung teilnehmen, so daß insgesamt knapp 30 Ehepaare monatlich betreut werden können.
Für viele Paare ist diese Einrichtung ein Segen - gerade dann, wenn der Ehemann weit von zuhause einsitzt. Ehen brechen so seltener und ein entlassener Häftling hat so die Möglichkeit, nach der Haft nach Hause zu gehen - was erfahrungsgemäß die Rückfallwahrscheinlichkeit erheblich sinken läßt.

 

4.) Die “Frauengasse”

In der Frauengasse in Bayreuth befindet sich ein Wohnheim für entlassene Strafhäftlinge, das von kontakt betreut wird. Hier finden bis zu 4 Exhäftlinge für bis zu 6 Monaten Obdach und werden in der schweren Zeit nach der Haftentlassung, in der die ehemaligen Häftlinge oftmals ohne familiären oder freundschaftlichen Anschluß dastehen, kaum Geld zur Verfügung haben und die Konstanz bildende Vollzugsroutine verloren geht, bei der Resozialisierung unterstützt - durch Begleitung bei Behördengängen, bei der Arbeitssuche etc..
Damit wird ein nicht zu unterschätzender Beitrag dazu geleistet, daß ehemalige Straftäter nicht rückfällig werden.

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